Sonntags-Gedicht: Es slamt

An der Olympia SG 3

sitzt und schreibt melancholische Poesie

ein schüchternes Mütterchen

Slamility

An der Olympia SG 3

saß und schrieb melancholische Poesie

ein schüchternes Mütterchen

Twitter-Grenze

Mit grünen Zetteln über die grüne Grenze/ sich einen Stempel holen und Steuer zurück/ Närrische Zukunft kaufen mit harter Währung

 

Ein erster Twitterlyrik-Versuch an der Kunstgrenze.

schreib-t-raum im Bild

Schon lange will ich ein eigenes Foto für den Blog haben, auch wenn das Tintenfass-Bild des verwendeten Themes erstaunlich passend war. Doch Fotografie ist nicht so mein Metier und Bilder erzeuge ich gewöhnlich über Worte. Trotzdem bin ich heute fündig geworden:

Das jetzige Kopfbild ist der Ausschnitt eines Fotos, das ich schoss, um eine Stadterkundungs-Schreibwerkstatt vorzubereiten. Es zeigt einen ganz kleinen Teil der Kunstgrenze, die Konstanz und das schweizerische Kreuzlingen – zumindest im Gebiet Klein Venedig – seit 2007 nicht mehr trennt, sondern verbindet. Auf und teilweise neben der Grenzlinie stellen Skulpturen die Trümpfe des Tarots dar. Die roten Linien hier oben gehören zum Magier, der aus dem See ragt.

Grenzen und Schreiben – zwei Dinge, die sich gegenseitig inspirieren. Die Kunstgrenze öffnet Räume, zum Schreiben und Sein, magisch entstehen Buchstaben vor träumerisch dahinziehenden Wolken. Mein schreib-t-raum im Bild – es lohnt sich, immer mal wieder im Foto-Ordner zu kruschteln.

Allererste Treppengedichtversuche

Gerade
anfangs dann
wenn das erste Mal
was auch immer geschieht
ist Aufregung unvermeidlich in
Augen und Hautrötung blühendes Glück
gelassen
in Stürmen ruhig
entdecken, erkunden, neu
Abenteuerspielplatz Lebensgenuss
als Kind stolperte ich öfter über Stufen

Am gleichberechtigten Hoch- und Runtergehen arbeite ich noch ein wenig. Doch ein Anfang ist gemacht. Feststellung: In der Textverarbeitung schreiben, dann hilft die automatische Zeichenzählung. Und es sieht nur mit Schreibmaschinenschrift schön treppig aus.

Schreibt!-Raum 11: Treppengedichte

Das Bulldozer-Gedicht zu entwickeln hat Spaß gemacht und wurde schon von Lucia (und auch von anderen?) aufgegriffen. Und da der Druck, dringend etwas schreiben zu müssen Kreativität freisetzt, habe ich mir heute noch eine weitere Gedichtform ausgedacht: das Treppengedicht.

Treppen kann man in zwei Richtungen gehen, nach oben oder nach unten. Je nachdem ob der Treppentext links- oder rechtsbündig geschrieben ist, wird die eine oder andere Richtung betont, möglich bleiben immer beide. Deshalb kann auch das Treppengedicht in zwei Richtungen gelesen werden.
Damit eine Treppe gut zu begehen ist, müssen die Stufen gleichmäßig sein. Dazu gibt es Normwerte, die zwar Normmenschen nicht kennen, aber jeder spürt es sofort, wenn sie nicht eingehalten wurden. Beim Treppengedicht ist die Treppensteigung durch die Schriftgröße und den Zeilenabstand festgelegt und bleibt immer gleich (wenn man nicht zwischendrin die Formatierung wechselt). Die Treppentiefe, also wieviel Platz der Fuß zum Draufsteigen hat, hängt von der Zeichenanzahl ab – und natürlich davon, wie breite Zeichen, außer man verwendet eine nicht-proportionale Schrift wie Courier; das vernachlässige ich im Weiteren.

Wer baut eine Treppe mit möglichst gleich breiten Stufen? Erster Schritt: die Schritttiefe = Zeilenlänge festlegen. Bei echten Treppen 23 – 37 cm, im Treppengedicht 5 – 10 Zeichen (Leerzeichen zählen natürlich mit). Zweiter Schritt: Stufenanzahl festlegen. Nach spätestens 18 Stufen braucht eine Treppe ein Podest, also 5 – 18 Zeilen. Und nun die Zeilen so mit Wörtern füllen, dass die nächste Zeile immer um die festgelegte Zeichenzahl länger ist. Und vor allem, dass die Treppe sinnvoll in beide Richtungen begangen werden kann und sich sowohl Auf- als auch Abstieg lohnen.

Alles klar? Mit meiner Lieblingszahl sieben sieht das ganze dann so aus:

XXXX XX
XXX XXXXX XXXX
XXXXXXX XXXXX XXXX XX
XXXXXX XXXX XXXXX XXXXXX XXX
XXXXXXXX XXXXX XXXXXXX XXXXXXXX XXX
XXXX XXXXX XXX XXXXXXXX XXXX XXXXX XXXX XX
XX XXXXX XXXX XXXXXXX XXXX XXXXX XXXXXX XXXXX XXX

Und jetzt mit richtigen Wörtern!

Slammerin?

Gestern habe ich mich festgelegt: Ich mache beim Einsteiger-Slam – oder Newcomer-Slam, wie er wohl heißen soll – mit. Deshalb konnte ich auch nichts schreiben 😉 , denn ich musste zum Treffen gehen, Texte hören, Feedback geben – ja, ja, ich hätte auch was lesen können, hätte ich denn was geschrieben.

Mit auf der Bühne stehen habe ich schon öfters in meinem Leben geliebäugelt, Texte schreiben hat viel mit Gehörtwerden-Wollen zu tun, zumindest bei mir. Deshalb ist ein Poetry Slam nur konsequent. Auf der anderen Seite: Dieses Wettbewerb-Ding, bei dem am Ende der gewinnt, der die meisten möglichst flachen Lacher erzeugen, steht der Kreativ-Schreiben-Philosophie komplett entgegen. Oder ist dies ein Vorurteil?

Ich werde es sehen. Ich habe ja gesagt, nun bin ich dabei. Und muss was schreiben. Damit ich gerüstet bin, sollte ich in die Finalrunde kommen. Zwei Wochen Zeit … An die Tasten!

Und ob und wie mein Slammerinnen-Leben weitergeht, berichte ich dann.