Schreibtreiben

Ohne Pause, Rast und Ruh, Hamster im Rad oder Känguruh im Sprung und ein Sprung folgt auf den andern; wir hüpfen und rennen und laufen und treiben. Und schreiben. Buchstaben folgen, verfolgen das Ziel, verfolgen sich selbst, wollen zu viel. Mit Wollen fängt die Hetze so richtig an, der Weg ist das Ziel, nun gut, und dann? Eile mit Weile, sagte man mir, und meistens gelingt mir das, abends beim Bier, doch tagsüber hör ich die große Trommel und stolpere vorwärts mit pochendem Herzen, hinein ins Gewimmel, hinein in den Stress, ich gebe das Beste, ich gebe den Rest; ich handle perfekt, laufe wie die Unruh, lasse Anspruch um Anspruch um Anspruch zu.
Ich schreibe Texte mit großen Themen
und lass mir das Hetzen von keinem wegnehmen.

Schreibideen – woher die besten kommen

Altbekannt ist der Rat an Schreibwillige, immer und überall ein Notizbuch parat zu haben und jede Schreibidee, die kommt, sofort aufzuschreiben. Diesen Rat habe ich auch den Studierenden im Kurs Kreatives Schreiben mitgegeben. Zum Kursabschluss haben wir nun die Schreibideen aus dem Notizbuch gekramt und eine davon ausgewählt: zum selber dazu Schreiben und zum Weitergeben.

JedeR hat zwei kurze Texte geschrieben, einen zur eigenen Idee und einen zu einer zufällig erhaltenen von jemand anderem. Es waren sehr verschiedene Ideen dabei, viele mit denen man auf den ersten Blick gar nichts anfangen kann, wenn sie erwartungsvoll oben auf einem ansonsten leeren Blatt Papier stehen. Dann die große Überraschung: Das Schreiben zu den Ideen der anderen war für (fast?) alle viel leichter.

Auch ich stümperte nur wenige Zeilen zu meiner selbst gewählten Überschrift „Ode an das Vergessen“ aufs Papier und war fasziniert, was „die Arme“, die diesen Zettel von mir erwischt hat, in kürzester Zeit für ein tolles Gedicht fabrizierte. Dafür kam ich beim gezogenen Thema „Keine Rast. Ständige Bewegung. Nicht Zurückbleiben.“ so richtig in Fahrt und habe ohne Anhalten das Blatt beschrieben.

Offensichtlich stimmt es doch, dass Vorgaben und Regeln die Kreativität anregen, während zu große Freiheit das Schreiben hemmt. Vielleicht ist es auch der Anspruch, der uns lähmt, zu einem selbst gewählten Thema einen besonders guten Text schreiben zu müssen, einen mit Tiefe und Gehalt. Wie auch immer: Ich will schreiben und kriege doch oft den nötigen Schwung nicht. Wer gibt mir 10 Minuten Zeit und ein Thema?

Leichter im Text – ein Buchtipp

Das Buch ist weder neu (erschienen im August 2001), noch angesagt in der Schreibszene oder im auf solche Art Bücher spezialisierten Autorenhaus-Verlag erschienen. Doch es begleitet mich sehr zuverlässig durch mein Schreiberinnen-Leben, gerade habe ich es wieder hervorgeholt:

Leichter im Text. Ein Schreibtraining von dem Schweizer Ehepaar Christa und Emil Zopfi ist aus der Praxis von Schreibseminaren entwickelt worden. Man kann damit alleine im stillen Kämmerlein seine Schreibkompetenz weiter entwickeln, viele Anregungen lassen sich aber auch in Schreibgruppen oder -seminaren verwenden. Es deckt von „aufbrechen“ und „fließen“ über „spielen“, „formen“, „dichten“, „erzählen“, … bis zu „bearbeiten“ und „ankommen“ ein riesiges Spektrum von Schreiben ab. Man kann es von vorne nach hinten durcharbeiten, irgendwo aufschlagen und zehn Minuten zum Fund schreiben oder es immer wieder hervorziehen und damit spielen. Jedes Kapitel enthält eine Einführung, Hintergundtexte, Übungen und Beispieltexte, alles ist ansprechend illustriert und gestaltet.

Leichter im Text ist kein Training im Sinne von anstrengenden Übungen. Es ist ein Buch, das dazu ermuntert, den Stift in die Hand zu nehmen oder sich an die Tastatur zu setzen. Es macht Lust zu schreiben, zu experimentieren, das eigene Schreiben und die Welt des Geschriebenen zu erforschen. Denn Schreiben lohnt sich. Und es macht Spaß.

Slammen, podcasten und bloggen

Vor lauter Slammen und Reimen, keine Zeit mehr zum Bloggen? Sieht fast so aus. Doch nun hat sich die Überdrehtheit gelegt und ich kann berichten:

Meinen ersten Slam-Auftritt habe ich hinter mich gebracht und hatte einen riesen Spaß. Seither habe ich Schlaf nachgeholt, das meiste, was vorher liegen geblieben war, aufgearbeitet, mich nach weiteren Slamterminen in der Region umgesehen und mich in die Funktionsweise meines neuen Headsets und die Aufnahmesoftware eingearbeitet. Denn mein Text „Veritas vincit oder Guttenplag reloaded“ hat mich zwar gegen starke Konkurrenz nicht ins Finale gebracht, soll aber trotzdem nicht in der Schublade einstauben. Also überlege ich an anderem Ort damit aufzutreten oder ihn hier zum Hören hochzuladen oder beides.

Doch bevor ich nur um mich selbst kreise:
Alle 10 SlammerInnen – darunter bemerkenswerte sieben Frauen – , die beim ersten Konstanzer Newcomer Slam dabei waren, hatten tolle Texte. Es hat nicht nur Spaß gemacht, selbst zu slammen, sondern mindestens genauso viel den anderen zuzuhören. Da soll noch mal einer sagen, die jungen Menschen heutzutage könnten nicht schreiben …

Und dass auch nicht mehr ganz so junge Menschen schreiben können, zeigt sich hoffentlich bald wieder in regelmäßigen Blogbeiträgen hier.

Treppen führen zu Absturzgefahr

Im Schreibt!-Raum 11 habe ich ja vorgeschlagen, Treppengedichte zu schreiben. Um dann selbst festzustellen, dass 1. das Anschläge zählen mühsam ist und den Schreibfluss nicht unbedingt begünstigt und dass 2. die Form den Inhalt sehr beeinflusst.
Nun habe ich eine Mail bekommen von einer, die ’s ausprobiert hat. Auch Ihr kam wohl vor allem „abgründiges, abstürzendes in den Sinn“. Da frage ich mich: Warum geht es eher treppab als treppauf? Sollte man generell Treppen lieber meiden oder liegt es daran, dass wir von oben nach unten lesen? Vielleicht haben Treppen einfach immer eine immense Stolpergefahr, egal in welcher Richtung man sie begeht, auch wenn sie komplett normgerecht gebaut sind.
Ob es sich lohnt, einmal ein Treppengedicht von unten nach oben zu schreiben, also mit der langen Zeile anzufangen und zu sehen, auf welches einzelne Wort der Text dann am Ende zuläuft? Denn Aufstieg ist immer besser als Abstieg und Schreiben speziell soll doch positive Effekte auf allerlei haben. Hat es gewöhnlich auch.

Bis ich dies in Ruhe erforscht habe, habe ich mich noch einmal an einem Bulldozer-Gedicht versucht. Und als nächstes zähle ich mal wieder Silben statt Anschläge und sage: Siebzehn Silben für ein Haikuluja.