Fotopoesie1: farbspiel

Die Politik hat sich heute
ihr Traumvolk gewählt
alles fischherzige Leute
Als Klimawechsler hat sie taktiert
schwerefrei und nicht zu spät
vom eigenen Nichtwort profitiert
So hat sie heimwehgefiedert
sich mit Sehnsüchten vermählt
immer mehr eingegliedert
Erst ein großes Traumvolk gebaut
nach dem Befiedern gepfählt
Wehfischwortfrei – schaut
Die kursiven Wörter stammen aus Gedichten von Hilde Domin und wurde von Sophie zum Borgen ausgewählt.
I
Sie kamen
waren freundlich
sagt man
in unserem Dorf
brachten Kaugummi
und anderes
in unser Dorf
ihr Vater hieß
Johnny
sagt man im Dorf
II
Vom Himmel geschenkt
und wieder genommen
seine Hände und ihre
spüren nach Johnny
in ihrem Bauch
III
Eine verrauchte Kellerbar
samtagmorgens um drei
ein müder Barkeeper
ein Glas Whiskey ohne Eis
ein großer Junge
mit einer Mundharmonika in Moll
am Tresen eine Frau
im schwarzen Kleid
vielleicht blind
wartet
Diesmal ein geborgter Name als Impuls: „Johnny“ von Bertolt Brecht.
leis schwebt im Wind
das Zittergras
nimmt überhand
du gehst
ich fühlte auch
und nähm die Hand
Du sagst mir
nichts. Ich seh
Das ist mein Erasergedicht zu „Erklär mir, Liebe“ von Ingeborg Bachmann.
Aufgefädelt, im Schmuckkästchen gesammelt:
Saphire des Kummers
Rubine der Wut
Rosenquarze der Sehnsucht
Aquamarine der Ohnmacht
Smaragde der Rührung
Amethyste des Schmerzes
Diamanten des Glücks
Das ist mein Versuch, zum geborgten Titel „Tränenhalsband“ von Selma Meerbaum-Eisinger zu dichten.
Schon lang lebt eine Geistin im Wieder- (echt!) weg,
schon als Menschin hat sie häufig nur Ärger erregt,
jetzt spukt sie fast täglich,
es ist unerträglich,
für Geisterexistenzen jedoch ein starker Beleg.
Die von Alfred Kolleritsch geborgten Worte „im Wiederweg“ (aus dem Gedicht “Landschaft“) haben mich heute zum Reimen angeregt.
heute nacht bin ich unten
beim ballast geborgter
erinnerungen bleibe
ich liegen wir beide
du ich und unser
was war hätte sein
hätte werden können
heute nacht bin ich
unten grabe ich zwischen
schichten dieser zeit
sortiere staune gebe
erinnerungen zurück
heute nacht bin
ich bin ich bin
Dies ist mein Gedicht zum Impuls 1 der Frapalywo geborgte Worte. Die kursiv gesetzten Anfangsworte sind die erste Zeile des Gedichts „nachtdienst“ von tomas tranströmer.