Sonntags-Gedicht: Universitätsbetrachtungen

Das Sauerkraut in
der Nase wird von Kreide
weggekitzelt

Grüner Teppich
elektrisiert das Hirnen
der Mathematik

Styroporsee weiß
vor herbstbraunen Bäumen
Ein Betonmischer schreit

Staining solutions
riechen nach Kaffeeklatsch
E-Coli im Flur

Nebenbemerkung: Das sind die Betrachtungen der Universität in Haiku-Form gebracht und mit der Frage versehen, ob das der Anfang eines Imagegedichts der Uni ist.

Nebenbemerkung 2: Ich weiß, dass heute nicht Sonntag ist, aber wer weiß, ob mir Sonntag ein Gedicht einfällt.

Sonntags-Gedicht: Heikes November-Sonntag

Politische Sonntagsmatinee am Ewigkeitssonntag

Es war eigentlich der Albtraum beide Garnelen
gaben sich nicht kampflos geschlagen es handelt
sich schließlich um Neocaridina zhanghjiajiensis
in einem Ladengeschäft in Wilster hagelt es harte
Kritik feiern wir das Lachen mit Echo-Effekten ver
lost vier tolle Preise am Totensonntag stand sie
noch in der Fotoabteilung mit BluePeral und White
Peral genehmigen wir uns eine Pizza im Anschluss
und klopfen gegen Arbeitsfrust Photowalks Solo-
Show wie ich einmal versuchte reich zu werden
zwischen Frühstücksbrunch und Abendmahl am
Lesenachmittag Neuverfilmung 100 Jahre Hockey
Club Biotechnologin im Einzelhandel wenn Tiere
schlafen gehen ein deutsches Requiem Ruhetag

Sonntags-Gedicht: Nachtlied

Hey, Mond, Du stehst
in unserm Eck
Willst nicht mal weiter ziehen?
Mein Freund und ich,
dann, wenn Du gehst,
woll’n uns in Ruhe lieben.

Dein Licht erhellt
die dunkle Nacht
macht jedes Geheimnis weg
Wir woll’n doch nur
dass es vollbracht,
genießen rein und pur.

Mensch, Mond, halt ein,
bist halt ’ne Frau
Du störst im Männerbund!
Sonst könnten wir ja auch mit 3n,
Du weißt schon, ja, genau.

Doch Du mit Deinem großen Rund
lässt uns jetzt wieder warten.
Zwei lange Wochen
machst Du Licht
Ach, schleich Dich in den Garten!

Statt am Sonntag am Montag und mit einer Woche Verspätung traue ich mich nun, mein am letzten Sonntag geschriebenes Nachtlied hier öffentlich zu machen. Es entstand im Rahmen eines Schreib-Treffens im Albertinum in Dresden und wurde vor dem Bild „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ von C.D. Friedrich von mir verfasst.

Sonntags-Gedicht: Le garde-manger arrogant

Hinter der Küche vom Biolek
lockt eine Tür aus Mahagoni
glänzende Klinke, kein Stäubchen Dreck
Kein Zugang hier fürs Volk, für Vroni

Das dunkle Holz strahlt Kälte aus
– Ich fühl‘ mich hierfür zu normal –
Doch ich will wissen, welcher Schmaus
dahinter lauert im Regal

Zu hören ist ein Kammersingen
im klaren Mezzosopranton:
Es gibt sie noch, die guten Dinge
Nur nicht wo Otto Popel wohnt

Nicht Marmelade, Konfitüre
Statt Essig Aceto Balsamico
Wacholderschinken mit Rosmarinbordüre
und Ziegenweichkäse auf echtem Stroh

Die Nase hoch: Sie schnuppert Wein
Barrique, vom Fass, ein Roter, schwer
Vom Fisch darf’s nur der Edle sein
De Normandie le Camembert

Ich bleibe draußen (find’s schon schade)
Du schüchterst mich mehr ein als Schurken
Dann seh ich: Hinter der Fassade
wünschst Du Dir Mutters Einmachgurken

Schreiben lassen – Gedichte vom Computer

Manchmal hat man einfach keine Zeit für ein Gedicht. Ein Glück, dass es Gedicht-Generatoren gibt!

Bei Poetron kann man 4 Wörter eingeben, aus denen das Programm blitzschnell ein grammatikalisch nicht immer ganz korrektes Gedicht mixt. Ich habe es mal mit Mama, Bratpfanne, mustern und gütig probiert und bekam folgendes Ergebnis:

Bratpfannen
Gütig und somit flau.
Sie mustern…
Sie schwellen.
Und schwellen das Lebewesen.
Ach gütige Bratpfannen!
Und Lebewesen
Zu flau Mama – so flau!

Beim zweiten Mal sah es so aus. Anders beim ersten Mal und beim dritten Mal und beim vierten Mal … So oft ich Lust hatte, auf „dichten“ zu klicken, erschien ein neues Gedicht. Nicht sinnvoll, aber lustig.

Nicht ganz so zufällig, dafür romantisch: Liebesgedichte schreiben: Nachdem man Reimmuster und Zeilenzahl gewählt hat, schlägt das Programm jeweils fünf Zeilen vor, von denen eine ausgewählt werden kann – ganz individuell und mit Original-Herz-Schmerz-Reimen. Das fertige Liebesgedicht lässt sich per E-Mail an den oder die Angebetenen verschicken.

Wer nie den Unterschied zwischen Jambus und Trochäus, zwischen Kreuzreim und Paarreim kapiert hat, dem wird vom Metricalizer geholfen. Aus Goethe-Gedicht-Worten entsteht ein Zufallsgedicht mit dem gewünschten Versfuß und Reimmuster – völlig sinnfrei, denn auf das Feeling kommt es an …

Und nun dichte ich lieber selber wieder, mit oder ohne Versfuß. Und wer ein individuelles, aber von einem Menschen geschriebenes Gedicht wünscht, kann sich bei mir melden. Vielleicht kommen wir ins Geschäft!

 

Sonntags-Gedicht: Zevenaar

Aus gegebenen Anlass ein Zevenaar zu diesem September-Sonntag:

Mainau

Auf der Insel
suche ich blinzelnd die Sonne
Erblicke die Fähre,
die ganz neue schwimmt
Baut Brücken zwischen Alltag und Urlaub.
Auf der Insel
suche ich blinzelnd die Sonne

Nahe Tartus

Der Bus setzt uns an einer
Kreuzung irgendwo ab. Ohne
Plan in Richtung Sonne durch
graues Gestrüpp auf das Grün
zu wo die Quelle zu finden
sein muss

Heiligtum von Grillen bezirpt
schwarze Schildkrötenbabys
zwischen Resten von Arkaden
Der zinnenbekränzte Felsblock
erhebt sich. Ob es Schlangen?

Melkart wartet schon
lange nicht mehr, ist
nicht zuständig für
Fruchtbarkeit wie ich
es mir fälschlicherweise
dachte. Und doch