Frapalywo3-5: Schwimmen

Der Pilot war während
des Fliegens wohl ins
Schwimmen geraten.

Unzählige Teile des Fliegers
zwischen Fischen und Algen
schwimmen noch im See.

 

Ein Versuch, ein aktuelles Ereignis und den Impuls schwimmen miteinander zu verdichten.

Frapalywo3-4: Krabbelkabbeleien

Krabbelkabbeleien

Im Blumentopf wohnte ein Asselpaar,
seit Jahren schon miteinander vermählt,
Sie wollten verreisen, doch unklar war,
wer von beiden den Weg nun wählt.

Sie diskutierten eine Weile bei mehreren Drinks,
dann hatten sie genug von dem Brimborium
Deshalb sagte Frau Assel, ich gehe nach links,
Herr Assel jedoch wandte sich rechtsrum.

So uneins waren sie bisher noch nie,
doch jetzt wollte keiner nachgeben
Nach vielen Ehejahren nur Autonomie
war noch ihr gemeinsames Streben.

Herr Assel blieb hart und ging seinen Weg,
krabbelte rechts auf der Blumentopfkante
Frau Assel betonte, du hast keinen Beleg
für die Richtigkeit deiner Variante.

Sie bewegte sich im Uhrzeigersinn um den Topf
alle sechs Beine marschierten entschieden
Herr Assel wendete nicht mehr um seinen Kopf,
denkt, dann sind wir jetzt halt geschieden.

Der Blumentopf ist groß, die Reise war lang
sie umrundeten die Pflanze mit Pausen
Ein jeder von ihnen machte stolz seinen Gang
unterbrochen von stärkenden Jausen.

Am Abend kam jeder von ihnen ans Ziel
Auf des Blumentopfs sonniger Seite
Ein jeder war glücklich, denn ihnen gefiel
die Ausicht dort mit ihrer Weite.

Dann sahen sie einander und waren erstaunt
dachten sie doch, sie hätten sich verloren,
Doch schnell merkten sie, nun gut gelaunt,
Ihre Beziehung war wie neu geboren.

 

Die heutige Bewegung heißt krabbeln. Da ich nur an Ameisen mit Reiseplänen denken konnte, kamen diese Reime heraus.

Frapalywo3-3: Wehen

Nachts sprühte eine
Wolke Regentropfen auf
orange Tomaten

Eine Idee von leiser
Traurigkeit weht jetzt herein.

 

Der Impuls Wehen nicht einfach. Beim Morgenkaffee doch ein Bild, zu einem Tanka geformt.

Kuso17 – Von Morgenstern angestiftet

Von Morgenstern angestiftet

Mein bester Freund im grünen Kleid
ist samt Radierer stets bereit

Trägt einen Spruch von Wilhelm Busch,
der reimt sich nicht, doch trotzdem Tusch

auf alle Stifte, die zum Dichten
mich herzlich einladen, nicht richten

Sie tragen Sprache über Schwellen
öffnen statt Schlüssel manche Zellen

Sagt wer zu mir, du geh mal stiften
kann ich mich durch den Stift wegliften.

 

Es sind doch einige Texte in Irsee entstanden, die ich nun nach und nach hier auf den Blog stellen will. Dieses Dinggedicht ist eine Übersetzung von Christian Morgensterns Gedicht Die Lampe in ein anderes Ding.

Frapalywo3-2: Rückenansichten eines Dirigenten

Die ohren geschlossen
der musik lauschen töne

steigen aus fingern fallen
bis zur ferse ein legato

streift über den rücken un-
terhalb der linken schulter

der einsatz des cellos das
crescendo steigt vom knie

an aufwärts nur beim tutti
reichen die ellbogen über

die standfläche hinaus die
noten wandern vom pult

in jede zelle des körpers
wandeln sich in klänge

gestimmte gefühle bis in
haarspitzen und frack

nach vorne dirigierst du
nach hinten liest du mir

die melodie

 

Das ist mein Beitrag zum Impuls dirigieren. Ein wunderbarer Impuls, der mir ein indirektes Geständnis entlockt.

Frapalywo3-1: schlendern

Zwischen Apfelbäumen aus Kindheitswiesen
klingen Kuckuck und Esel, blockflötengespielt
Später singen Daffodils ihr Bundidiari Dumm
Aus bunter Wolle stricke ich Vogelhäuschen
hänge sie in Omas dicken Haselnussstrauch
und warte auf Meisen und Spatzen
Darunter noch einzelne Traubenhyazinthen

 

Das ist mein Beitrag zum ersten Impuls dieser Frapalywo.